LKW Geschichte

Werfen wir den Motor an. Es ist das Jahr 1896. Zum ersten Mal darf sich unser Gefährt Lastkraftwagen nennen, es befördert immerhin 1,5 Tonnen Last. Der Zweitakter-Motor leistet 4 PS und überträgt seine Energie mit Hilfe eines Riemens auf die Antriebsachse, fürs Erste die hintere. Wir hoffen, dass es nicht regnen wird, denn einen Aufbau, den wir später als Führerhaus kennen lernen, gibt es nicht. Auch der Rest des Fahrzeugs, erinnert eher an einen Traktoren-Anhänger, unter den man einen Motor gebaut hat. Aber sind wir nicht undankbar, immerhin schont es das Zugvieh und die Unterhaltung mit Benzin und Öl ist derzeit billiger, als Futter, Pflege und Unterkunft desselbigen. Einige Jahre später hat sich das Modell mit dem Benzinmotor durchgesetzt. Die Vorgänger unseres LKWs waren eher als Dampfmaschinen zu bezeichnen und ähnelten daher in ihrer Form kaum dem, was wir als LKW bezeichnen. Dies nur zur Erklärung, warum wir erst jetzt von Lastkraftwaren sprechen. Weitere 8 – 10 Jahre später sind aus den Holzreifen mit Gummiüberzug Eisenfelgen mit richtigen Gummireifen geworden. Und auch nass werden wir dank einem Führerhaus in dem Vehikel nicht mehr, in dem es nun in die Zeit der Weltkriege geht. Unterwegs überholen wir einige andere LKW-Typen, die noch mit Dampf, Holzvergaser oder sogar ersten Gasturbinen unterwegs sind, die sich aber nicht durchsetzen. Die Reifen werden stabiler, luftgefüllte Stahlmantelreifen – nun auch als Zwillingsreifen-, die Motoren werden erstmals mit Diesel betrieben, die zu befördernden Lasten dürfen schwerer sein und es gibt schon etliche Spezialisierungen. Tankwagen, Pritschen mit und ohne Plane, Kastenwagen und Kofferbau sind nur einige davon. Am Führerhaus wird genauso herum experimentiert, wie an der Antriebs- und Bremstechnik. Sichert letztere doch, dass wir exakt in unserer eigenen Zeit wieder anhalten können. Um einen richtigen Sprung in der Entwicklung zu machen, treten wir aufs Gas und verlangsamen wieder in den Neunzigern. Als Daumenkino sehen wir, dass es während des Wirtschaftswunders und dank der Erlaubnis der Alliierten internationalen Handel zu betreiben, mit der Entwicklung der LKWs nun richtig voranging. Techniken für Kipplaster wurden verfeinert, der Sattelzug transportiert bis zu 40 Tonnen Güter aller Art und Lebensmittel sind dank ausgeklügelter Kühltechnik auch frisch und genießbar, wenn der Transport Tage in Anspruch nimmt. Der Motorraum scheint im Daumenkino ein “Bauch – kein Bauch”-Spielchen zu machen. Mal ist er der Fahrerkabine etliche Meter voraus, dann wird dieses in die Luft gehoben und der Motor verschwindet darunter. Kurz drauf das Ganze wieder zurück. Würde man von hier aus in die Zukunft sehen, sähe man LKW, bei denen der Fahrer fast auf Mini-Van-Höhe sitzt. Und noch etwas tut sich. Ein Vibrieren wie ein Erdbeben mit dem Geräusch von hunderten Hubschraubern. Wir werden es später sehen. Der Schwertransport mit den vier Garagen, den wir überholen, ist es nicht. Der LKW ist aus dem Straßenbild und als Wirtschaftsfaktor nicht mehr wegzudenken. Seine Herstellung schafft hunderttausende Arbeitsplätze, es werden Fahrer, Werkstätten und Straßen benötigt, die ihm gerecht werden. Selbst als Werbeträger ist er nicht zu unterschätzen; man erinnert sich gern an die Dame mit einem Hauch von nichts auf dem Leib, die den Betrachter vom Sattelzug anblinzelt oder der rundum beleuchtete amerikanische Truck, der Limonade mit Weihnachten verbindet. Und erst die Romantik, die aufkommt, wenn der Cowboy-Hut mit Stiefeln aussteigt und gegen den Abendhimmel blickt. Damit wir erfahren, was das Vibrieren zu bedeuten hat, fahren wir das letzte Stück in unsere Zeit zurück. Zuerst wird es dunkler als wir ankommen. Das Geräusch dröhnt in den Ohren. Nun bewegt es sich rechts und links von uns. Zum Glück ist unsere Fahrerkabine in der Lage Bodenwellen auszugleichen, denn das nimmt auch einiges von den Vibrationen weg. Wie zwei Dinosaurier rollen rechts der größte Muldenkipper und links die größte Zugmaschine der Welt vorbei. Der rechte mit über 3600 PS und fast 9 Meter Breite und 8 Meter Höhe. Der andere kommt mit schlankeren 912 PS, dafür aber mit einem zulässigen Zuggewicht von 600.000 Tonnen daher. Was sich aus unserem anfänglichen Ur-LKW entwickelt hat, lässt uns die Augen groß werden. Mal sehen, was die Zukunft noch bringt.

euer LKW-Freak Achim

4 Antworten zu LKW Geschichte

  1. Auf sehr süffisante Art und Weise, lustig und spannend die LKW Geschichte skizziert.

  2. Pingback: Die Geschichte des LKW « Lkwfreak’s Blog

  3. Danke, endlich habe ich das Problem gerafft :)

  4. Dank dir, jetzt endlich habe ich den Sachverhalt wirklich verstanden ;)

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